Zwei Hände

Rufschädigung durch die Presse?

5 Tipps für einen effektiven Schutz Ihrer Rechte

Autor: Rechtsanwalt Christian Zahnow, LL.M.

1. Seien Sie nicht leichtgläubig!

Ich habe in meiner presserechtlichen Praxis des öfteren erlebt, dass Mandanten von Journalisten zunächst „Honig um den Bart geschmiert“ bekamen, dann aber – meist nach Erscheinen des Artikels – von dem Journalisten sprichwörtlich „wie eine heiße Kartoffel“ fallen gelassen worden sind. Dabei sollte man sich von Anfang an vergegenwärtigen: Ist der Journalist tatsächlich so sehr an meiner Person interessiert, oder kommt es ihm am Ende des Tages doch eher darauf an, mit einem Artikel seinen Lebensunterhalt zu verdienen ? Diese in der Theorie einfach zu beantwortende Frage führt durch anhaltendes und von den Journalisten sehr glaubhaft vorgetragenes Interesse in der Praxis nicht selten dazu, dass Opfer medialer Fehltritte es später sehr bereuen, „ihrem“ Presse-Vertreter allzu viel anvertraut zu haben.

2. Verhandlungen auf Augenhöhe

Wenn der Presse-Artikel dann ganz anders ausfällt, als man es sich gewünscht hat, führt dies in der Regel nicht nur zu Frustration – nicht selten ist damit auch eine Schädigung des guten Rufs und ein Verlust des Ansehens verbunden.

Manch ein Betroffener greift dann in seiner ersten Verzweiflung selbst zum Telefonhörer oder leitet dem Verlag seine eigene Gegendarstellung zu. Es ist jedoch offenkundig, dass ihm die emotionale Distanz fehlt, um den Fall sachgerecht bewerten zu können. Zudem fehlt es den meisten Betroffenen auch an fundierten Kenntnissen des Presserechts – womit sie gegenüber den Verlagen und Journalisten klar im Nachteil sind. Suchen Sie daher frühzeitig anwaltlichen Rat !

3. Handeln Sie schnell!

Die wenigsten wissen, dass presserechtliche Ansprüche innerhalb kurzer Zeit verfallen können. Gegendarstellungen müssen in der Regel binnen 14 Tagen nach Kenntnisnahme des Artikels abdrucksreif auf dem Tisch des Verlages liegen. Nicht selten versuchen Presse-Unternehmen daher, Zeit zu schinden. Dabei gilt: Für das Einhalten der Fristen ist der Betroffene verantwortlich. Lassen Sie also keine Zeit ungenutzt verstreichen, sondern handeln Sie umgehend!

4. Schöpfen Sie alle Abwehransprüche aus!

Je mehr Ansprüche Sie gegenüber der Presse geltend machen können, desto größer ist der Verhandlungsdruck, den Sie aufbauen können. Ich habe in meiner presserechtlichen Arbeit schon häufig erlebt, dass Mandanten, die mit dem Verfasser des rufschädigenden Artikels in einem persönlichen Kontakt stehen, von diesem mit Ausreden hingehalten worden sind.
Auf diese Weise besteht die Gefahr, dass einzelne Anspruchsarten oder sogar ein gesamtes zivilrechtliches Eilverfahren nicht mehr durchgesetzt werden können. Lassen Sie es nicht soweit kommen und nutzen Sie die Ihnen zur Verfügung stehende Zeit dazu, ihr gesamtes presserechtliches Abwehr-Instrumentarium voll zur Entfaltung zu bringen!

5. Handeln Sie nicht im Alleingang!

Je länger ein Journalist mit der Materie des Schreibens betraut ist, desto besser sind meist auch seine Kenntnisse des Presserechts. Manch ein Journalist legt wahre Höchstleistungen an den Tag, wenn es darum gehen soll, einen Presse-Artikel soweit von Tatsachen zu entleeren, dass er abmahnsicher werden soll oder wenn es darum geht, einen Presse-Artikel mit möglichst vielen Meinungen zu bestücken. Das Presserecht bietet dem Betroffenen in vielen Konstellationen den passenden Schutz, seine Anwendung ist Sache erfahrener Juristen.

Fazit:

Wenn Ihr Ruf durch einen rechtswidrigen Presse-Artikel verletzt wird, ziehen Sie frühzeitig einen spezialisierten Anwalt hinzu. Auf diese Weise schöpfen Sie nicht nur Ihr presserechtliches Abwehr-Instrumentarium bestmöglich aus und stärken so ihre Verhandlungsposition, sondern es wird auch dafür Sorge getragen, dass Ihre Rechte effektiv und umfassend verteidigt werden.

 

Bild: Shutterstock

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